Erste Freiflächen-PV-Anlage in Much am Müllerhof geht ans Netz

Auf Einladung der Energieagentur Rhein-Sieg und der Gemeindeverwaltung Much besuchten Mitglieder des OV Much – Dorothee Vogel, Vorsitzende, Wolfgang Weyer, Kassierer, und A. Enkirch, Sprecherin – die inzwischen fertiggestellte erste Freiflächen-PV-Anlage in Much-Müllerhof.

Die Anlage geht in diesen Tagen ans Netz, nachdem der Netzbetreiber Westnetz den Anschluss realisiert hat. Bei unserem Besuch erhielten wir interessante Einblicke in die technische Umsetzung, die zukünftige Nutzung der Fläche und insbesondere in die Bürgerbeteiligung.

Der Solarpark ist als Genossenschaftsprojekt organisiert und wurde unter anderem durch die finanzielle Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht. Rund 1,5  Million Euro stammen aus den Beteiligungen der Bürger*innen sowie von vier Gesellschaftern.

Die Fläche in Müllerhof war ursprünglich eine Erddeponie. Nach Angaben der Projektbeteiligten befinden sich keine Schadstoffe im Boden. Bislang wurde die Fläche als Rinderweide genutzt. Ab Frühjahr 2027 soll sie wieder als Schafsweide dienen. Darüber hinaus sind Maßnahmen wie Totholz- und Steinhaufen vorgesehen, um die Biodiversität auf der Fläche zu fördern.

Gegebenenfalls soll ein Monitoring durch die Universität Bonn, AEI-Fakultät, durchgeführt werden. Dabei könnten unter anderem Greifvögel und Amphibien betrachtet werden. Auch die Frage, wie sich die Beschattung durch die Modulreihen auf Wasserhaushalt und Hitzeeinwirkung sowie auf Flora und Fauna auswirkt, könnte untersucht werden. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse könnten auch für zukünftige Agri-PV-Anlagen interessant sein – insbesondere für Anlagen, die höher ausgeführt werden und beispielsweise die Anpflanzung von Obstbäumen unter den Modulen ermöglichen.

Beeindruckende technische Daten

Die Anlage verfügt über eine Leistung von 9.801 kWp und soll jährlich rund 10.454.000 kWh Strom erzeugen. Damit können rechnerisch etwa 2.985 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgt werden. Die erwartete CO₂-Einsparung wird mit rund 3.075 Tonnen angegeben.

Verbaut wurden:

• 13.804 Solarmodule mit jeweils 710 W Nennleistung

• 4.900 Pfosten, die bis zu 3,60 Meter tief in den Boden reichen

• 22 Wechselrichter von Sungrow

• ein Transformator von Sungrow

• eine umfangreiche unterirdische Verkabelung für die Verbindung von Modulen, Wechselrichtern und Transformatoren

Die Umsetzung erfolgte durch den Generalunternehmer F&S Solar Service GmbH.

Der erzeugte Strom wird zunächst von den Modulen zu den Wechselrichtern und anschließend zum Transformator auf dem Gelände der Anlage geführt. Von dort wird er zur Trafostation an der Kreuzung Neßhoven/Erlen bei Marienfeld geleitet und in das bereits vorhandene Stromnetz eingespeist.

Für die ersten drei Jahre wird der erzeugte Strom an einen Stromabnehmer verkauft, der die Energie entsprechend der jeweiligen Produktion abnimmt. Der erzielte Einspeisepreis liegt nach den Angaben zum Projekt derzeit zwischen 3,99 und 4,87 Cent pro Kilowattstunde.

In Zukunft ist außerdem die Errichtung eines 20-MWh-Speichers vorgesehen. Damit könnte tagsüber erzeugter Strom, der nicht unmittelbar benötigt wird, gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt – beispielsweise in den Abend- und Nachtstunden – genutzt beziehungsweise eingespeist werden.

Das Projekt Müllerhof verbindet damit mehrere Aspekte: erneuerbare Energieerzeugung, landwirtschaftliche Nutzung, Bürgerbeteiligung und die Möglichkeit, Erkenntnisse über die Auswirkungen von Agri-PV auf Natur und Landschaft zu gewinnen.

Mehr Infos unter https://be-rhein-sieg.de/projekte.html